Archiv der Jahrestagungen

Das diesjährige Tagungsthema „Zugänge“ widmet sich in einem umfassenden Sinne allen Schwellensituationen, die dem Mediengebrauch, sei es im produktiven, im konsumistischen oder analytischen Sinne, vorgeschaltet sind und die sich häufig genug auch als ebensolche Schwellen oder Barrieren materialisieren und/oder juristisch und ökonomisch veritable Formen annehmen. Beobachtbar sind somit ebenjene Artefakte selbst wie auch die ihnen vorgelagerten diskursiven Operationen, mithin rechtliche, epistemologische, soziale, politische, ethische etc. Formationen, die Mediennutzungen rahmen und ermöglichen bzw. ausschließen.

Das diesjährige Tagungsthema "Kritik" fragt nach dem Verhältnis von Kritik und Medien in einer ganzen Bandbreite von theoretischen, historischen und analytischen sowie medienpraktischen, sozialen und politischen Problemstellungen: Von den gegenwärtigen Möglichkeiten und Bedingungen kritischer Medien zur medienphilosophischen Kritik der Medialität, von der Aktualität oder Obsoleszenz von Ideologiekritik und Kritischer Theorie zu den alltäglichen Praktiken der Filmkritik. 
Das diesjährige Tagungsthema »Utopien. Wege aus der Gegenwart« fragt nach der Utopie, ihrem Handlungspotential und ihrer gesellschaftlichen Bedeutung sowie der Rolle, die Medien in diesem Zusammengang spielen und spielen können.
Die Vertikale, die wir im Titel dieser Konferenz zwischen die »Medien« und das »Recht« gesetzt haben, ist eine Linie, die sich in viele Richtungen verlängern lässt und vieles miteinander verbinden kann. Beispielsweise die GfM-Tagungen der vergangenen drei Jahre: Ähnlich wie die »Medien der Wissenschaften« (Lüneburg 2013) stellt die diesjährige Konferenz die Frage nach den meist latenten Voraussetzungen medienwissenschaftlicher Praxis und danach, wie diese reflexiv eingeholt werden können.
Zu den kaum bestreitbaren Vorzügen der Medienwissenschaft gehörte immer schon ihre Aufnahmebereitschaft. Ob in der Rekrutierung von Personal oder der Akquise von Themen, ob in der Ausweitung von Lektüren oder der Adaption von Methoden: stets hat sich das (in manchen Bereichen feste, in manchen flüssige) Gebilde, welches über vier Jahrzehnte hinweg in unterschiedlicher Weise als „Medienwissenschaft“ firmierte und sich im Turnus halber Generationen immer neu zu erfinden vermochte, als hochgradig adaptionsbereit und integrationsoffen erwiesen. Als Produkt und zugleich Beobachterin medientechnologischer Veränderungen (wie etwa Fotografie, Film, Video, Computer, Netz) war und ist von ihr nicht nur eine erhöhte Selbstreflexivität hinsichtlich der „Medien der Wissenschaften“ gefordert.
Dass etwas bloße Spekulation sei, meint in der Regel, dass einer Aussage die empirische oder rationale Grundlage fehlt. Dem Klatsch und dem Gerücht verwandt, steht sie unter dem Verdacht der Transgression und der Halbwahrheit. Als Sprech- und Darstellungsregister ist die Spekulation zugleich ein Modus des Populären und ein konstitutives Medium moderner Wissensgesellschaften.
Das Thema bezieht sich auf alle denkbaren Formen und Phänomene der Schlaufen und Schleifen, der Rekursionen und Feedbacks, der Wiederkehr und der Wiederholung, der Kehren, Wenden und Turns. Sie sind als Verlaufsfiguren medialer Prozessualität beschreibbar. Sie wirken z.B. zentral in der Konstitution von Medien mit.
Dass die Medien an der Produktion und der Strukturierung von Wissen entscheidend beteiligt sind, wird an so unterschiedlichen Phänomenen wie Wikipedia, Ratgebersendungen des Fernsehens, pädagogischen Filmen und medizinischen High-Tech-Untersuchungen gleichermaßen deutlich. Zudem hat die jüngere Forschung gezeigt, wie sehr historische Wissensformen – naturwissenschaftliche Erkenntnisse ebenso wie populäres Sich-Auskennen – an spezifische Medien sowie allgemeiner an Phänomene von Medialität gebunden sind. Die Filmgeschichtsschreibung entdeckt die spezifische Pragmatik und Ästhetik von Instruktionsfilmen, die Cultural Studies rekonstruieren die Produktion von Fanwissen im Internet, die Medienarchäologie verweist auf die Relevanz von Karteikästen und Notizbüchern, die Wissenschaftsforschung fokussiert die Medialität von Schaubildern und medizinischer Bildgebung. Diesseits der pauschalen Diagnose einer Wissensgesellschaft lassen sich vielfältige Beispiele für solche Kopplungen von Medien und Wissen benennen.
Unter Referenz versteht man in der Medienwissenschaft gemeinhin den Weltbezug der Medien und ihrer Bilder – das Bemühen um einen ‚Dokumentarismus‘. Die Diskussionen um diese Gattung(en) des Medialen sind so alt wie die Mediengeschichte und durchziehen sie, immer wieder neu genährt und neu begründet, und sie sind auch heute erneut aktuell: durch neue dokumentarische Strömungen und Formen in Fernsehen, Film und Neuen Medien.
„Partizipation“ ist der Begriff, mit dem der sich wandelnde Umgang mit den Medien gegenwärtig vor allem beschrieben wird. Mit dem Begriff des Spiels kann diese Beschreibung sowohl technisch konkretisiert (Computerspiel) als auch mediengeschichtlich generalisiert werden (‚Spiel im Medium‘/‚Spiel mit dem Medium‘). Dass und vor allem worin zumal der digitalen Kultur ein ludisches Potenzial attestiert wird, war vor diesem Hintergrund eine der zentralen Fragestellungen der Jahrestagung.