Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Michaela Wünsch. Mit ihr verliert unsere Fachgesellschaft eine hoch geschätzte Kollegin, eine kluge und engagierte Wissenschaftlerin und einen besonderen Menschen, der unser gemeinsames Arbeiten und Denken auf vielfältige Weise bereichert hat.
Michaela war Kulturwissenschaftlerin, Medientheoretikerin, Psychoanalytikerin und Teil des Verlagskollektivs b_books. Ihre Arbeit bewegte sich an den Schnittstellen von Medientheorie, Psychoanalyse, Queerfeminismus und Critical Race Theory. Promoviert wurde sie an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit zur Figur des Serienkillers als Medium des Unbewussten weißer Männlichkeit. Zuletzt hat sie sich mit Entropie als wissenschaftlichem Modell beschäftigt und dessen Wirksamkeit in Kybernetik, Psychoanalyse, Kunst und Kunsttheorie untersucht. All dies waren Wissensgebiete, in denen sich Michaela bewegte und die sie auch miteinander verband. Mit großer intellektueller Konsequenz widmete sie sich Fragen, die weit über den akademischen Alltag hinausweisen: Fragen nach Subjektivität, Angst, Trauma und gesellschaftlicher Gewalt. Sie lehrte und forschte an zahlreichen Universitäten und Institutionen, darunter in Berlin, Wien, Köln und Los Angeles.
Auch in unserer Fachgesellschaft war Michaela hoch engagiert. Besonders ihr Einsatz im Sprecher*innenteam der Kommission für gute Arbeit in der Wissenschaft bleibt uns in Erinnerung. Dort setzte sie sich über viele Jahre für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Fach und verantwortungsvolle institutionelle Strukturen ein. Immer wieder wies sie auf den strukturellen Klassismus in Universitäten hin. Diese Perspektive hat sie auch in den Text „Was kostet es, in der Wissenschaft zu arbeiten?“ eingebracht, den die Kommission für gute Arbeit gemeinsam geschrieben hat und der im April-Heft der Zeitschrift für Medienwissenschaft erscheint. Dieser Text trägt unverkennbar auch Michaelas Handschrift. Es wird ihr letzter gewesen sein.
Michaela wird uns als intellektuell präzise, zugewandte und streitbare Kollegin in Erinnerung bleiben. Ihr früher Tod erschüttert uns sehr. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und ihren Freund*innen.
Der Vorstand und die Kommission für gute Arbeit in der Wissenschaft der Gesellschaft für Medienwissenschaft