Aktuelles

GfM Kommentar zu "Handlungsempfehlung KI Schule" der KMK nun online

Die Kultusministerkonferenzen haben im Zuge einer Anhörung verschiedene Fachgesellschaften zu Kommentaren Ihrer Handlungsempfehlung "Schule und KI" gebeten. Die GfM ist diesem Aufruf gefolgt und hat die folgenden Kommentare zu der inzwischen veröffentlichten Handlungsempfehlung der KMK beigetragen: Der Kommentar der GfM kann hier heruntergeladen werden. 

Die neu gegründete "Kommission Medien Bildung Digitalisierung" hat so mit der Unterstützung der GfM-Mitglieder (insbesondere auch aus den Foren Digitalisierung und Bildung) medienwissenschaftliche Perspektiven eingebracht.

Gleichzeitig bleibt die kritische Prüfung der Themen "Künstliche Intelligenz" im Feld der Medienbildung Zukunftsaufgabe auch für die Medienwissenschaft. Rückfragen oder Engagementgesuche zu den Themen nimmt der Vorstand über info (at) gfmedienwissenschaft.de entgegen.

GfM schließt sich HRK-Kritik an: "Bundestagsresolutionen Antisemitismus" gefährden Wissenschaftsfreiheit

Die Mitgliederversammlung der Hochschulrektorenkoferenz hat zur Bundestagsresolution zum "Schutz jüdischen Lebens in Deutschland" sowie zur geplanten Bundestagsresolution Antisemitismus und Israelfeindlichkeit an Schulen und Hochschulen…" am 19.11.2024 eine kritische Entschließung veröffentlicht: Siehe hier
Der Vorstand der GfM schließt sich der Kritik der HRK an, dass diese Resolutionen sachlich nicht geboten und vor dem Hintergrund von Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit nicht nützlich sind: "Die Wissenschaftsfreiheit ist für die Hochschulen die Grundlage allen Handelns. Die Hochschulen erwarten von Exekutive und Legislative, dass sie diese Wissenschaftsfreiheit auch bei der Abfassung von Resolutionen zu Hochschulen als Handlungsmaxime ansehen."

Stellungnahme der GfM zur geplanten Einstellung des Senders 3sat

Die Rundfunkkommission der Länder plant im Reformstaatsvertrag umfassende Änderungen des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks. Bestandteil des Staatsvertrags ist die Überführung der Inhalte des Kultursenders 3sat in das Telemedienangebot von arte. Die Gesellschaft für Medienwissenschaft stellt sich gegen das geplante Vorhaben und spricht sich für den Erhalt von 3sat als eigenständigem Fernsehsender aus. Die Stellungnahme wurde am 10.10.2024 der Rundfunkkommission der Länder übermittelt.

Die von der AG Fernsehen verfasste Stellungnahme finden Sie hier.
 

Bewerbungsphase für das 5. Medienwissenschaftliche Symposium eröffnet

"Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) lädt im Rahmen der Reihe „Medienwissenschaftliche Symposien“ zur Einreichung von Bewerbungen zur Ausrichtung des fünften Medienwissenschaftlichen Symposions ein. Ziel der Medienwissenschaftlichen Symposien ist es, innerhalb der (deutschsprachigen) Medienwissenschaft modell- und beispielhaft medienwissenschaftliche Diskussionen zu ermöglichen, die im universitären Alltagsbetrieb aufgrund der zunehmenden Spezialisierung der medienwissenschaftlichen Forschung selten oder gar nicht zustande kommen." (Quelle: DFG) 

Weitere Informationen zum Call finden sich hier: https://www.dfg.de/de/aktuelles/neuigkeiten-themen/info-wissenschaft/2024/ifw-24-80 oder in diesem PDF

Lenkungsgremium:
Prof. Dr. Estelle Blaschke, Universität Basel 
Prof. Dr. Matthias Christen, Universität Bayreuth (Fachkollegiat der DFG)
Prof. Dr. Jiré Emine Gözen, University of Europe for Applied Sciences (Vorsitzende der GfM)
Prof. Dr. Tobias Matzner, Universität Paderborn
Prof. Dr. Kathrin Peters, Universität der Künste Berlin (Fachkollegiatin der DFG)

Die Medienwissenchaftlichen Symposien der DFG nun auf der GfM-Webseite

Die Medienwissenschaftlichen Symposien, die von der DFG gefördert werden, sind nun endlich auf der Webseite der Gesellschaft für Medienwissenschaft verfügbar. Das jüngste 4. Symposium fand an der Universität Paderborn zum Thema „Filter“ statt. 

Die einzelnen Beiträge sind nun als Open-Access-Publikationen in Zusammenarbeit mit media rep als PDFs zugänglich: https://mediarep.org/entities/misc/c3e086a7-382f-4afe-8a15-f6bda5fba6d5.

Auch zukünftige Symposien werden als Open-Access-Publikationen über media rep veröffentlicht und über die Plattform abrufbar sein. Die Übersicht zu den bisherigen Symposien und den Publikationen findet sich hier:
https://gfmedienwissenschaft.de/positionen/symposien

GfM trauert um Dr. Jochen Venus: Ein Nachruf

"Am 9.4.2024 ist unser Freund und Kollege Dr. Jochen Venus völlig überraschend verstorben. Jochen war zuletzt als wissenschaftlicher Koordinator am Graduiertenkolleg „Literatur und Öffentlichkeit“ in Erlangen tätig, zuvor in derselben Funktion am SFB „Transformationen des Populären“ in Siegen. Siegen war auch der Ort, an dem Jochen lange Zeit wirkte, sei es im SFB „Medienumbrüche“, Projekt „Medienspiele und Mediennarrationen“ oder als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Seminar für Medienwissenschaft. Währenddessen vertrat er auch die Professur „Theorie und Praxis der mündlichen Kommunikation“ in Düsseldorf. Promoviert wurde er bei Rainer Leschke mit der Arbeit „Masken der Semiose. Zur Semiotik und Morphologie der Medien“, welche 2013 bei Kadmos erschien. Schon seine Abschlussarbeit im Studiengang Medien-Planung, -Entwicklung und -Beratung in Siegen erschien 1997 als Buch „Referenzlose Simulation? Argumentationsstrukturen postmoderner Medientheorie am Beispiel von Jean Baudrillard“. Neben diesen Arbeiten zur Medientheorie steuerte er auch wichtige Beiträge zum Computerspiel bei, auch als Ko-Autor, im Rahmen der Siegener „Games Coop“, für den einflussreichen Junius-Band „Theorien des Computerspiels“. Überdies prägte er die aktuelle Diskussion zur Populärkultur wesentlich mit, u.a. mit seinem Begriff der „Stilgemeinschaften“.

Wer Jochen kannte, weiß, wie wenig diese Hinweise auf Publikationen und Arbeitskontexte über ihn aussagen. Sein Medium war der Dialog: das fortlaufende Gespräch, sei es face to face, in Texten voller Denkanstöße oder in anderen akademischen Formaten, in Podcasts oder auf Twitter. Jochen war immer in seinem Element, wenn es darum ging, mit anderen gemeinsam Ideen durchzuspielen und weiterzuentwickeln. Wir haben einen mutigen und scharfsinnigen Denker verloren – vor allem aber einen außergewöhnlich großzügigen und integren Menschen. Die vielen Gespräche, die noch im Gange waren, sind jetzt plötzlich abgerissen. Jochen wird uns sehr fehlen.

 

Sabiene Autsch, Benjamin Beil, Ingo Berensmeyer, Christoph Ernst, Peter Gendolla, Nicola Glaubitz, Henning Groscurth, Henriette Heidbrink, Michael Hellermann, Thomas Hensel, Katja Hoffmann, Fumiyo Ido-Pfeiffer, Rainer Leschke, K. Ludwig Pfeiffer, Laura Roman del Prete, Jörgen Schäfer, Timo Schemer-Reinhardt, Jens Schröter, Gregor Schwering, Sascha Simons, Jürgen Sorg, Andrea Stahl, Andreas Sudmann, Benno Wagner"

 

GfM trauert um Prof. Dr. Marie-Luise Angerer: Ein Nachruf

Die Gesellschaft für Medienwissenschaft trauert um ihr Mitglied Prof. Dr. Marie-Luise Angerer, die am 2. März 2024 verstorben ist.

Ein Nachruf von Kathrin Peters (erschienen in der Zeitschrift für Medienwissenschaft am 14. März 2024): https://zfmedienwissenschaft.de/online/verlust

 

Verlust

Kathrin Peters

Die nächste Ausgabe der Zeitschrift für Medienwissenschaft trägt den Titel «Was uns ausgeht». Das Heft besteht aus einem Glossar, und alle Beteiligten waren eingeladen, Begriffe vorzuschlagen, die zu fassen versuchen, was es sein könnte, das uns ausgeht. Der Glossareintrag, den Marie-Luise Angerer zu dieser Gegenwartsdiagnose beigesteuert hat, lautet «Verlustkontrolle» – eine geradezu Angerer’sche Formulierung. Sofort öffnet sich ein Assoziationsraum und zugleich schnappt der Begriff immer wieder zurück in das Kompositum, aus dem er hervorgegangen ist, Kontrollverlust. Er führt uns an die Schwierigkeit heran, das Verhältnis von Verlust und Kontrolle zu denken. Denn ob die Wörter nun in der einen oder anderen Reihenfolge zusammengesetzt sind – je länger man versucht, ihren Bedeutungsbahnen zu entkommen, desto mehr zeigt sich, was Marie-Luise Angerer ein «poröses Phantasma» nennt.

In der psychoanalytischen Theorie ist ein Phantasma ein imaginäres Szenario, das die Leere des Subjekts auffüllt, es vom Realen abschirmt – zumindest solange dieser Schirm nicht durchlässig wird. Aber das ist er geworden: Für alle, die sehen und wissen wollen, ist unabweisbar, dass nicht mehr zu kontrollieren, nicht mehr in (eine) Ordnung zu bringen ist, was durch Klimakatastrophe, Kriege und politischen Autoritarismus verloren geht. Kein Digitalisierungsversprechen hilft mehr, die Einbußen zu überwachen. Eher sei die Vorstellung, dass digitale Technologien dies leisten könnten, noch Teil des Phantasmas.

In ihrem kurzen Artikel ist zu lesen, was Marie-Luise Angerers Schreiben auszeichnet: medientheoretische, politische und künstlerische sowie immer wieder psychoanalytische Bezüge miteinander zu verweben und auf diese Weise Ambiguitäten, womöglich Verdrängungen, herauszuarbeiten. Das gilt für ihre jüngeren Überlegungen zu Affekt, in denen sie das Unbewusste gegen die Biologisierung von Gefühlen in Anschlag bringt. In Das Begehren nach dem Affekt (2007) – auch das eine Formulierung, die zweifach, sowohl präpositional als auch zeitlich zu lesen ist – argumentiert sie, dass die ausufernde Rede vom Affekt das Begehren als Movens des Subjekts, und schließlich den Affekt selbst, zum Verschwinden bringt. Entgegen solch reduktiven Ansätzen, die auch in medien- und gendertheoretischen Texten zu finden sind, kartiert sie in Affektökologien (2017) technologische Anordnungen und zeigt, dass es gerade dort zu affektiven Aufladungen kommt, wo eine Lücke klafft, nachdem das Begehren eskamotiert worden ist.

Marie-Luise Angerers Schriften zu Gender- und Körpertheorien, in denen sie seit den 1990er Jahren die damals – und wahrscheinlich auch heute noch – bahnbrechenden Texte erschlossen und weitergedacht hat (The Body of Gender, 1995), hallen nicht nur in ihren späteren Schriften, sondern auch in ihren Leser*innen nach. Ihre Diskussion des Verhältnisses von Materialität und Identität als einem, das nur als Bewegung, als wechselseitiges Verweisen sinnvoll verstanden werden könne, ist geeignet, auch aktuelle, irgendwie politische Aufwallungen zu verstehen. Einem Denken in fixen Identitäten und essentialistisch verstandenen Materialitäten hat Marie-Luise Angerer jedenfalls schon vor 30 Jahren eine Absage erteilt und stattdessen von Bildern im weitesten Sinne gesprochen, in denen Körper vor- und darstellbar werden, auch unsere Körper uns selbst. Für ein solches Konzept der body options (1999) ist die Auseinandersetzung mit (Medien-)Kunst und Film zentral, weil diese das Körperliche jenseits von Normativität, sogar jenseits von Körperschemata entwerfen. Das zu denken ist und bleibt herausfordernd. Aber Marie-Luise Angerers Vorträge, ihre Lehrveranstaltungen und ihre Texte waren ein Quell von Einsichten und eines Wissens, das nicht stillstand, sich immer erweiterte und Ohren und Augen geöffnet hat.

«Verlustkontrolle» ist einer der letzten Texte, die Marie-Luise Angerer geschrieben hat. Ihr Tod ist ein Verlust, der wahrlich nicht unter Kontrolle zu bringen ist. Sie hat nicht nur in ihren Texten, sondern auch in ihrem Leben unermüdlich Verknüpfungen zwischen Leuten, Orten und Institutionen hergestellt, Projekte und Publikationen angestoßen. «Verlustkontrolle» war bereits das Jahresthema des Brandenburgischen Zentrums für Medienwissenschaften in Potsdam, dem sie vorstand. Nicht zuletzt hat sie das Projekt der Zeitschrift für Medienwissenschaft von Beginn an mit einem Engagement, das sie bei allem, was sie tat, auszeichnete, begleitet.

Vielen und auch mir war sie eine so wertvolle Kollegin, Mentorin und Freundin, dass sie aus unseren Leben nicht wegzudenken ist. Mag sein, dass das zu sagen schon den phantasmatischen Versuch darstellt, die Leere aufzufüllen, den unerträglichen Verlust verkraft- und kontrollierbar zu machen. Wahr ist es trotzdem.
 

Bevorzugte Zitationsweise
Peters, Kathrin: Verlust. Ein Nachruf auf Marie-Luise Angerer. In: Zeitschrift für Medienwissenschaft, ZfM Online, Web-Extra, 14. März 2024 , https://zfmedienwissenschaft.de/online/verlust.
Die Open-Access-Veröffentlichung erfolgt unter der Creative Commons-Lizenz CC BY-SA 4.0 DE.

CfP: 29. Jahrestagung der Gesellschaft für Medienwissenschaft 2024 "versammeln"

Mit dem Tagungsthema „versammeln“ lädt die Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) vom 25.–28.09.2024 zu ihrer Jahrestagung an die Johannes Gutenberg-Universität Mainz ein. Der thematische Fokus liegt in diesem Jahr auf Medien, Ordnungen, Formen und kritischen Praktiken des Versammelns, die sich etwa auf Bilder und Daten, Körper und politische Kollektive, Archivbestände und Evidenzen, Architekturen und Infrastrukturen beziehen können. Wie Medien Dinge und Menschen versammeln, erweist sich in vielen Fällen als ein machtvoller Prozess, der Realitäten herstellt und über Handlungsvermögen und Sichtbarkeiten entscheidet. Auch in praktischer Hinsicht experimentiert die Tagung mit diversen Arten des Versammelns: Neben Panels und Einzelvorträgen präsentieren Medienforschende ihre Beiträge in Formaten wie „Team Up“, „Workspace“, „Critical Friends“ und „Encounters“.

Link zum langen Call: https://gfmedienwissenschaft.de/jahrestagung-2024-versammeln

Einreichungen: https://www.conftool.pro/gfm2024/
Deadline für Einreichungen: 31.03.2024
Annahme-/Ablehnungsbescheide: 31.05.2024
Mehr Infos: https://gfm2024.uni-mainz.de/
Kontakt: gfm2024@uni-mainz.de 

GfM nimmt Stellung zu den geplanten Kürzungen des Bundes im Feld der politischen Bildung

Die GfM hat einen Brief verfasst, in dem sie ihre Position zu den geplanten Kürzungen des Bundesministeriums des Innern (BMI) in Bezug auf die politische Bildung insbesondere aus wissenschaftlicher Sicht darlegt. In dem Schreiben nimmt die GfM Stellung zu den geplanten Kürzungen und argumentiert für die Beibehaltung des Etats sowie dess Ausbau. Der Brief kann hier heruntergeladen werden, um weitere Informationen zu erhalten. Über Rückmeldungen aus dem BMI sowie darüber hinaus wird die GfM weiter auf dem Laufenden halten.