Aktuelles

Stellungnahme des Vorstands und Beirats zu den Anfeindungen gegen Prof. Dr. Christina Brüning

Am Donnerstag, dem 11. Juni 2026, berichtete die Hessenschau und wenige Tage später das Wissenschaftsmagazin Forschung und Lehre über gezielte Anfeindungen, Aufrufe zu Gewalt und sogar Morddrohungen gegen Prof. Dr. Christina Brüning, Professorin für Geschichtsdidaktik an der Philipps‑Universität Marburg. Die kritische Auseinandersetzung mit Macht‑ und Gewaltverhältnissen – wie Prof. Dr. Brüning sie betreibt – ist ein unverzichtbarer Teil wissenschaftlicher Praxis. Kritik, etwa an Rassismus, Sexismus, und Antisemitismus sowie das Einnehmen feministischer und postkolonialer Perspektiven gehören auch in der Medien- und Kommunikationswissenschaft zu wesentlichen Elementen wissenschaftlicher Analyse und stellen wichtige Bausteine demokratischer Wissensvermittlung dar. Der Vorstand und Beirat der Gesellschaft für Medienwissenschaft stehen ebenso wie das Tübinger Institut für Rechtsextremismusforschung IRex und das Tübinger Institut für Geschichtsdidaktik und Public History solidarisch an der Seite von Prof. Dr.Christina Brüning und ihrer Arbeitsgruppe und bekräftigen unser Engagement und Eintreten für eine demokratische Hochschulkultur.

Nachruf auf Michaela Wünsch (1973–2026)


Mit großer Trauer nehmen wir Abschied von Michaela Wünsch. Mit ihr verliert unsere Fachgesellschaft eine hoch geschätzte Kollegin, eine kluge und engagierte Wissenschaftlerin und einen besonderen Menschen, der unser gemeinsames Arbeiten und Denken auf vielfältige Weise bereichert hat.


Michaela war Kulturwissenschaftlerin, Medientheoretikerin, Psychoanalytikerin und Teil des Verlagskollektivs b_books. Ihre Arbeit bewegte sich an den Schnittstellen von Medientheorie, Psychoanalyse, Queerfeminismus und Critical Race Theory. Promoviert wurde sie an der Humboldt-Universität zu Berlin mit einer Arbeit zur Figur des Serienkillers als Medium des Unbewussten weißer Männlichkeit. Zuletzt hat sie sich mit Entropie als wissenschaftlichem Modell beschäftigt und dessen Wirksamkeit in Kybernetik, Psychoanalyse, Kunst und Kunsttheorie untersucht. All dies waren Wissensgebiete, in denen sich Michaela bewegte und die sie auch miteinander verband. Mit großer intellektueller Konsequenz widmete sie sich Fragen, die weit über den akademischen Alltag hinausweisen: Fragen nach Subjektivität, Angst, Trauma und gesellschaftlicher Gewalt. Sie lehrte und forschte an zahlreichen Universitäten und Institutionen, darunter in Berlin, Wien, Köln und Los Angeles.


Auch in unserer Fachgesellschaft war Michaela hoch engagiert. Besonders ihr Einsatz im Sprecher*innenteam der Kommission für gute Arbeit in der Wissenschaft bleibt uns in Erinnerung. Dort setzte sie sich über viele Jahre für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen im Fach und verantwortungsvolle institutionelle Strukturen ein. Immer wieder wies sie auf den strukturellen Klassismus in Universitäten hin. Diese Perspektive hat sie auch in den Text „Was kostet es, in der Wissenschaft zu arbeiten?“ eingebracht, den die Kommission für gute Arbeit gemeinsam geschrieben hat und der im April-Heft der Zeitschrift für Medienwissenschaft erscheint. Dieser Text trägt unverkennbar auch Michaelas Handschrift. Es wird ihr letzter gewesen sein.


Michaela wird uns als intellektuell präzise, zugewandte und streitbare Kollegin in Erinnerung bleiben. Ihr früher Tod erschüttert uns sehr. Unser Mitgefühl gilt ihrer Familie und ihren Freund*innen.


Der Vorstand und die Kommission für gute Arbeit in der Wissenschaft der Gesellschaft für Medienwissenschaft

Stellungnahme des Beirats: Repressionsgefüge und die Notwendigkeit medienwissenschaftlicher Intervention

Stellungnahme des Beirats der GfM zu den zunehmenden politischen Eingriffen in Hochschul- und Kultur-Autonomie

Repression kommt nicht einfach von oben, sondern ist verteilt, internalisiert, entsteht mit Medien. Medienwissenschaftlich Forschende haben gelernt, in verteilten Handlungsgefügen hin- und herzusehen und zu erkennen, wo Subjekte nicht ohne Medien, Geräte nicht ohne Gesellschaft und Politiken nicht ohne Agency von Dingen und Natur sind. Das bedeutet auch, Repression zu erkennen, aufzuzeigen, wenn sie die Verteilung ändert, und intervenierend zu handeln, wenn die Autonomie wissenschaftlichen Arbeitens und die Unabhängigkeit von Kultur und Kunst durch politische Gängelung bedroht wird. Wenn sich in Komplizenschaft Netzwerke konstituieren und verfestigen, die mit Macht ausgestattet sind, und wenn in diesen Bündeln politische Entwicklungen vorangetrieben werden, bedeutet es zudem, die Verantwortlichen dieser Entwicklungen zu benennen. Ein solches Bündel bildete sich beispielsweise um Bettina Stark-Watzinger als damaliger Bundesministerin für Bildung und Forschung, als im Zusammenhang der so genannten ‚Fördermittelaffäre‘ im von ihr geleiteten Ministerium über die Möglichkeit nachgedacht wurde, repressionskritischen Hochschullehrenden Fördermittel zu entziehen. Weitere Bündel zeigen sich aktuell beispielsweise auch rund um Staatsminister Wolfram Weimer, Beauftragter der Bundesregierung für Kultur und Medien, und die vielfach kritisierte Einflussnahme auf die Berlinale und den Deutschen Buchhandlungspreis.

 

Anfang 2026 warnte die zuständige UN-Expertin vor bestehenden Gefahren für die Meinungsfreiheit in Deutschland, und 2025 verlor das Land seine Position unter den Top 10% der Länder mit weitgehender Wissenschaftsfreiheit. Denn auch international wird beobachtet, wie mithilfe eines in der Forschung umstrittenen Antisemitismusbegriffs, der sich auf die IHRA-Perspektive stützt, weniger die starken Zuwachs erlebende extreme Rechte konfrontiert wird als Festival- und Hochschulleitungen, Künstler*innen und Wissenschaftler*innen, Studierende und Aktivist*innen, die sich für die Rechte auf Dissens inklusive staatskritischer Meinungen und insbesondere für die Wahrung des Völkerrechts einsetzen. Die Medienwissenschaft ist hier vielfach betroffen: als Fach, das in Forschung und Lehre u.a. diskutiert und untersucht, wie demokratische Öffentlichkeiten durch so genannte alternative Öffentlichkeiten angegriffen und verdrängt werden, und das die Veralltäglichung von Ideologien der Ungleichwertigkeit analysiert und rechtsextremen Repressionen auf kommerziellen Plattformen nachgeht. Medienwissenschaft ist betroffen als Fach, das nicht nur über diese Entwicklungen spricht, sondern, um gültiges Sprechen entwickeln zu können, auf die Räume des Streitens angewiesen ist – wie alle demokratischen Prozesse der Herstellung von Wissen und Einsicht. 

 

Als Forschende der Medienwissenschaft wollen wir solche aktuellen Entwicklungen untersuchen, und wir wollen es mit allen kompetenten und betroffenen, scharfsinningen und scharf fühlenden Menschen zusammen tun, auch wenn sie etwa aus Gaza kommen und die Berichterstattung über die Politiken der Regierenden in Deutschland, Israel oder den USA kommentieren. Wir haben eine lange Tradition der Auseinandersetzungen mit antisemitischen Tropen und Narrativen in NS-Medien und NS-Propaganda erarbeitet und forschen zu ihren Nachwirkungen und ihrer Wiederkehr unter neuen medialen Bedingungen. Vor diesem Hintergrund sind wir betroffen über den unterkomplexen und auf Instrumentalisierung abzielenden Umgang mit Screenshots vermeintlich extremistischer Symbole, über Rufmordkampagnen und über massive Einschränkungen jener Diskussionen, die wir doch gerade besonders benötigen, um der stattfindenden Faschisierung zu begegnen.

 

Im Herbst 2024 stellte die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zur „Antisemitismusdebatte im Bundestag“ klar, dass „vor dem Hintergrund von Hochschulautonomie und Wissenschaftsfreiheit“ die „Diskussion über die Definition von Antisemitismus“ nicht stillgestellt oder gelenkt werden darf, sondern „Gegenstand und Aufgabe wissenschaftlicher Auseinandersetzung“ bleibt und „eine staatliche Intervention“ in diese Prozesse „nicht zulässig“ ist. Tatsächlich aber ist eine Zunahme an Handlungen besonders politischer Amtsinhabender zu beobachten, die darauf abzielen, den Raum des Sagbaren zu verengen und die Felder der Wissenschaft und der demokratischen Medien- und Kulturöffentlichkeit zu disziplinieren. Der Versuch, Einfluss auf die Berlinale und konkret ihre Intendantin Tricia Tuttle zu nehmen (inklusive des angekündigten „beratenden Forums“ und eines „Verhaltenskodex“), legt davon ebenso bedenkliches Zeugnis ab wie der auch juristisch fragwürdige Eingriff in den Wettbewerb um den Deutschen Buchhandlungspreis durch den Beauftragten für Kultur und Medien der Bundesregierung oder der politische Druck auf die Düsseldorfer Kunstakademie und ihre Rektorin Donatella Fioretti. Angesichts des letztgenannten Vorgangs mahnt das Präsidium der HRK im  März 2026: "Ereignisse wie an der Kunstakademie Düsseldorf dürfen nicht zu einem politischen Reflex führen, die grundgesetzlich verankerte Hochschulautonomie in Frage zu stellen."

 

So zeigt sich die Entwicklung der politischen Einflussnahmen als Absage an ein demokratisches Grundverständnis zur notwendigen Autonomie von Kultur, Medien und Wissenschaft. „Demokratie und Repression gehen nicht zusammen“, brachte es Geraldine Rauch, die Präsidentin der Technischen Universität Berlin, in ihrer Kritik am Erstarken dieser autoritären Tendenzen auf den Punkt. Einschüchterung und Skandalisierungen werden dabei nicht nur als Reaktionen geäußert, sie prägen auch im Vorfeld die Planungen von Veranstaltungen oder Forschungsprojekten. Den Eingriff in den Vergabeprozess des Deutschen Buchhandlungspreises kritisiert der Börsenverein des Deutschen Buchhandels exemplarisch als „Intransparenz“ und das Vorgehen als „Art der Gesinnungsprüfung“, das ein Klima des Verdachts und der Verunsicherung erzeugt.

 

Als Fachgesellschaft, die Medien auch in ihren institutionellen Dimensionen untersucht, alarmiert uns die in solchen Fällen exemplarisch aufscheinende Gefährdung der Autonomie kultureller Institutionen, der Kunst- und Wissenschaftsfreiheit, das Verengen des öffentlichen Diskurses sowie das Schwinden eines verantwortungsvollen und um Genauigkeit bemühten Umgangs mit politischen Differenzen und Komplexitäten. Die Autonomie von Kunst, Wissenschaft und öffentlicher Debatte ist gerade in konflikthaften Situationen zu verteidigen. Kulturelle Institutionen und Hochschulen sind Orte, an denen gesellschaftliche Widersprüche sichtbar werden müssen, um verhandelbar zu sein. Diese Orte in eben dieser Funktion einzufordern und sie als solche Orte der Sichtbarmachung und Erörterung von Konflikten auch zu gestalten, dazu sind wir als Mitglieder der Gesellschaft für Medienwissenschaft aufgerufen.

Stellungnahme der Kommission „Medien – Bildung – Digitalität“ zum Impulspapier der SPD „Sichere Soziale Medien” vom 15. Februar 2026

Das Impulspapier der SPD „Sichere Soziale Medien” vom 15. Februar 2026 ist aus Sicht der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) begrüßenswert, da es wichtige Punkte adressiert, wie auch gleichzeitig problematisch, weil es andere unerwähnt lässt oder ihnen zu wenig Gewicht verleiht.

Diese Beobachtung teilen wir nicht alleine und schließen uns daher im Hinblick auf medienbildende Kontexte der Stellungnahme der GMK an, möchten aber noch einige Aspekte aus medienwissenschaftlicher Sicht betonen und hinzufügen. Denn: Medien sind nicht neutral; sie prägen von Kindheit an unsere Wahrnehmung und Meinungsbildung, das gesellschaftliche Leben und politische Entscheidungen, persönliche und kollektive Identitäten, individuelle Erinnerungen und kulturelles Gedächtnis. 

Medien sind kulturstiftend: Die Formung einer (Bildungs-)Kultur vollzieht sich in einem engen Wechselverhältnis mit Medien. Kulturen, und (formelle, informelle, schulische und außerschulische) Lernkulturen im Besonderen, sind ohne Kenntnis und Analyse deren medialer Formate nicht restlos erschließbar, und mediale Techniken werden sowohl zu Instrumenten als auch zu Quellen (bildungs-)kultureller Praxis. Ein differenzierter und reflektierter Umgang mit allen Medien gehört unweigerlich zur Medienbildung.

Wir unterstützen das Bestreben, Kindern und Jugendlichen einen geschützten Raum für die Interaktion mit sozialen Medien anzubieten, sprechen uns allerdings gegen pauschale Verbote aus. 

Regulierung der Plattformen und Opt-In-Verfahren hinsichtlich algorithmischer Personalisierung für alle sind tragfähige Lösungsvorschläge. Würden diese Maßnahmen konsequent umgesetzt, wäre eine Altersverifizierung über die EUDI-Wallet – grundsätzlich ein sinnvolles Konzept, das aber auch viele Barrieren aufbaut, da nicht alle in der Lage sein werden, es einzurichten und zu nutzen (vgl. die Debatte um die digitale Spaltung auf mehreren Ebenen) – nicht mehr notwendig, sondern könnte durch andere, wie z.B. durch die Pflicht, hinreichend komplexe Rechenaufgaben zu lösen, erweitert werden.

Hinsichtlich der Forderung, eine stärkere Förderung von Medienbildung und Medienkompetenz zu fokussieren, schließen wir uns der Position der GMK an. Hier ist aus medienwissenschaftlicher Sicht zu betonen, dass die Reflexion medientechnischer und -kultureller Voraussetzungen unabdingbare Grundlage für jedwede Medienkompetenz darstellt. 

Dazu gehört, erstens, anzuerkennen, dass Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene in ihren Selbst- und Weltverhältnissen immer schon von Medien geprägt werden. Eine Gegenüberstellung von „Mensch“ und „Medium“, in der Erstere Letzteres souverän nutzen könnten, greift zu kurz. Medienkompetenz muss relational gedacht und Souveränität als ein relatives Konzept verstanden werden. Daraus ergibt sich, dass Medienbildung auch bedeutet, medienkulturelle Relationen erkennen und benennen zu können. 

Manipulation, Täuschung und Desinformation finden zudem nicht nur im digitalen Raum und in sozialen Netzwerken statt, auch wenn sie dort, u.a. durch Einsatz von KI, offensichtlicher zu Tage treten. Medienwissenschaft und Medienbildung verweisen auf die komplexe Verwobenheit zwischen analogen und digitalen Welten, legen die Zusammenhänge zwischen ihnen offen und stellen Instrumente für den Umgang damit bereit.

Zweitens, gehört immer auch dazu, die Geschichten der jeweiligen Medientechnologien und -praktiken zu berücksichtigen – zum einen, um sowohl die in den Mediengeschichten immer wieder auftauchenden utopischen und dystopischen Gegenwarts- und Zukunftsdiagnosen einordnen zu können; zum andern, um die historisch begründbaren Einschreibungen in Medientechnologien und -praktiken und deren Wirkkraft verstehen und reflektieren zu können. Wie die Mediengeschichte zeigt, haben Ablehnung, Verbote oder Kritik ‚neuer‘ Medien ihre Wirksamkeit letztendlich verfehlt und u. a. einer reflektierten und innovativen Medienpraxis Platz eingeräumt. Verbote in autoritären Settings, oder im Übergang zu autoritären Settings, waren und sind dagegen verhängnisvoll. Im Hinblick auf Social Media betrifft das u.a. die Verbotsdebatte als wiederkehrendes Moment von Mediengeschichten (Medienpaniken als Reaktionen auf das Entstehen neuer Medien).

Die benannten Aspekte (insb. mediale Prägung in allen Lebensphasen, Mediengeschichte als Basiswissen) stehen beispielhaft für die Notwenigkeit, medienwissenschaftliche Expertisen von den Rändern in die Mitte von Medienbildung und Medienkompetenz zu holen. Es ist aus fachwissenschaftlicher Sicht ratsam, Erkenntnisse wie die oben genannten von Beginn an in die Debatten um Social Media einzubeziehen. 

Hinter dem Phänomen ‚Social Media‘ stehen ökonomische, technologische und politische Interessen. Diese Interessen verstehen, reflektieren und sich dazu verhalten zu können, ist essenziell. Im Hinblick auf die Förderung von Demokratiefähigkeit gibt es keine Altersgrenzen (vgl. die Adultismus-Debatte). Eine Altersbeschränkung von Social-Media-Zugängen ist daher kein geeignetes Instrument zur Demokratieförderung, wohl aber eine medienwissenschaftlich fundierte Medienbildung.

In diesem Kontext möchten wir die Forderung der GMK nach einer partizipativen Einbindung von Kindern und Jugendlichen als Betroffene von Regulierungs- und Verbotsmaßnahmen und als Expert*innen für ihre Lebenswelten und Medienkulturen nachdrücklich unterstützen.

Den abschließenden Forderungen der GMK schließen wir uns an und ergänzen neben der Notwendigkeit der Einbeziehung medienpädagogischer auch die Einbeziehung medienwissenschaftlicher Expertisen von Beginn an.

 

Autor*innen: Andreas Weich, Katja Grashöfer, Ömer Alkin, Leonie Zilch, Adrianna Hlukhovych, Sonia Campanini, Irina Kaldrack

Positionspapier: Medienwissenschaft & Klimakatastrophe - AK Media Climate Justice

Der aus der Initiative von Mitgliedern aus der GfM im Frühjahr 2024 hervorgegangene Arbeitskreis Media Climate Justice hat das Positionspapier mit dem Titel "Medienwissenschaft und Klimakatastrophe – unsere Rolle in Zeiten sozial-ökologischer Transformation" veröffentlicht, dass sich für eine Haltung unseres Fachs einsetzt, die sich "inhaltlich, methodisch und wissenschaftspolitisch der Ignoranz von Politik und Wirtschaft entgegenstell[t]".

Gemeinsam mit den AGs Animation, Daten und Netzwerke, Eco Media, Filmwissenschaft, Gender/Queer und Medien, Medienphilosophie und Politische Theorie unterstützt der Vorstand der GfM das Positionspapier zur Rolle der Medienwissenschaft in Zeiten multipler ökologischer Krisen und sozial-ökologischer Transformation.

 

Link zum Positionspapier: https://mediaclimatejustice.org/positionspapier


Weitere Informationen zum Arbeitskreis finden sich auf der Webseite: https://mediaclimatejustice.org
Rück- und Anfragen können über die Webseite des AKs gestellt werden.

Stellungnahme der GfM zum Angriff auf die Wissenschaftsfreiheit durch den ÖVP-Wissenschaftssprecher Dr. Rudolf Taschner

Hier finden Sie die Stellungnahme des Vorstands und des Beirats zu den Attacken des ÖVP-Wissenschaftssprechers Rudolf Taschner:

"In seiner Rede auf der 32. Sitzung des österreichischen Nationalrats am 17. Juni 2025 bezeichnete der ÖVP-Wissenschaftssprecher Dr. Rudolf Taschner das Forschungsprojekt Nicht aufwachen! Zukunftsträchtige Träume in den Künsten der Medien-, Kunst- und Kulturwissenschaftlerin Dr. Marietta Kesting als „scheinbare Wissenschaft“. Über das seit 2024 vom FWF (Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung) geförderte Projekt an der Musik und Kunst Privatuniversität der Stadt Wien (MUK) sagte der ÖVP-Wissenschaftssprecher, „da brauche ich kein Experte zu sein, um zu sagen: Das ist verbranntes Geld, das ist sinnlos!“ Die Inhalte fasst er zusammen als „Keywords Dreams, Sleep, Media Technology, Performance und, was natürlich drinnen stehen muss, Decolonization und Gender'“. Auch die Nachfrage von Der Standard beantwortet der Abgeordnete auf unsachlicher Uninformiertheit insistierend: „Es ist überflüssig, weitere Informationen über das Projekt einzuholen, um zur Erkenntnis zu gelangen, dass dem FWF ein Lapsus bei der Fördergeldvergabe unterlief.“  Es ist des Amtes eines Wissenschaftssprechers unwürdig, ausdrücklich ohne Argumente, ohne Expertise und somit ausschließlich an Ressentiments ausgerichtet die Arbeit wissenschaftlicher Kolleg*innen zu diskreditieren. Der Vorstand und der Beirat der Gesellschaft für Medienwissenschaft (GfM) kritisieren dieses Vorgehen auf das Schärfste. Hier wird – auf hoher politischer Ebene – wissenschaftliche Forschung mit haltlosem Populismus attackiert.

Wir schließen uns mit Nachdruck den Zurückweisungen an, die der Präsident des Österreichischen Wissenschaftsfonds, Christof Gattringer, die österreichische Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner, der Rektor der MUK, Dr. Andreas Mailath-Pokorny, und das Elise-Richter-Netzwerk formulierten. Wir sind beeindruckt von der Klugheit der Worte, die Dr. Marietta Kesting der Diffamierung ihres Projektes in ihrem Der Standard-Kommentar vom 17. Juli 2025 entgegen hielt, und damit auch eindrücklich die Substanz- und Ahnungslosigkeit der Rede Dr. Taschners eloquent vor Augen führte.

Neben der Abwertung spezifischer Leitbegriffe zeitgenössischer Forschung wie ‚Gender’ oder ’Dekolonisierung’ alarmiert uns auch folgende Aussage Taschners, die er an die anwesenden Politiker*innen richtete. Er sagte: „Wenn die Wissenschaft nicht diese Selbstreinigungskräfte besitzt, dann sind wir gefordert, denn es ist Geld der Steuerzahlerinnen und Steuerzahler, das da ausgegeben wird.“ Diese Formulierungen greifen nicht nur die gesetzlich verankerte Autonomie des Wissenschaftsfonds, sondern auch die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Wissenschaft an. Dabei insinuiert die Vorstellung der Reinigung der Wissenschaft, bei den inkriminierten Forschungsrichtungen handele es sich um Schmutz. Derartige Reinigungsfantasien führen tief in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts zurück. Wissenschaftliche Themen und Fragestellungen in derartigen Kategorien zu verhandeln und dies darüber hinaus öffentlich im österreichischen Parlament zu tun, widerspricht wissenschaftlicher Redlichkeit und Verantwortung und verträgt sich in einem demokratisch verpflichteten Zusammenhang nicht mit dem Amt eines Wissenschaftssprechers. Die Freiheit der Wissenschaft ist eine der fundamentalen Säulen demokratisch verfasster Gesellschaften. Die ÖVP versteht sich als demokratische Partei. Als solche steht sie hier in der Verantwortung. Zur Wahrnehmung eben dieser Verantwortung fordern wir sie auf."

 

Forderungen zur Medienbildung bei den Koalitionsverhandlungen 2025

Die GfM unterstützt gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften mit Nachdruck die Initiative „Keine Bildung ohne Medien“ (KBOM) und deren Forderungen zur Integration von Medienbildung in die Koalitionsverhandlungen 2025. Angesichts der fortschreitenden Digitalisierung ist die Vermittlung von Medienkompetenz für die persönliche und gesellschaftliche Entwicklung von Menschen unerlässlich. Die GfM setzt sich dafür ein, dass Medienbildung in allen Bildungseinrichtungen und -zusammenhängen fest verankert wird und fordert die Politik auf, entsprechende Ressourcen bereitzustellen.

https://www.keine-bildung-ohne-medien.de/forderungen-zu-den-koalitionsverhandlungen-2025/

Statement der AG Gender/Queer Studies zu den aktuellen Angriffen im Wahlkampf

Die AG Gender/Queer Studies und Medienwissenschaft schließt sich einem Netzwerk von Geschlechterforscher*innen an, das zur Verteidigung der Wissenschaft in Forschung und Lehre im aktuellen Wahlkampf aufruft. Das Statement, auf dem auch unsere Stellungnahme beruht, wurde über die Fachgesellschaft Geschlechterstudien erstveröffentlicht und findet sich hier.

Wir beobachten derzeit eine Zuspitzung langjähriger Angriffe auf unser Arbeits- und Forschungsfeld. Diese verstoßen gegen die in Artikel 5 Abs. 3 des Grundgesetzes verankerte Wissenschaftsfreiheit, eine grundlegende Säule der bundesdeutschen Verfassung. Am 18. Januar 2025 kündigte Alice Weidel auf dem Parteitag der AfD an, dass eine Regierung unter ihrer Führung alle Einrichtungen der Gender Studies schließen würde. „Wir schmeißen alle diese Professoren raus“, so Weidel. Wir nehmen diesen angekündigten Verfassungsbruch zum Anlass, uns zur politischen und gesellschaftlichen Lage zu äußern. Institutionen und Akteur*innen aus Wissenschaft und Gesellschaft rufen wir auf, sich dieser Entwicklung entgegenzustellen und sich mit uns sowie anderen bedrohten Wissenschaftler*innen solidarisch zu zeigen. Wir erachten den Angriff auf die Gender Studies als einen Präzedenzfall, der sich auch auf andere wissenschaftliche Disziplinen und Arbeitsfelder ausweitet und der als ein Angriff auf die Grundlagen unseres demokratischen Zusammenlebens verstanden werden muss.

Anfeindungen gegen die Gender Studies sind nichts Neues. Weidels Äußerung ist das (eskalative und konkrete) Ergebnis einer langjährigen Entwicklung (siehe z.B. die Resolution gegen Antigenderismus der Gesellschaft für Medienwissenschaft 2019). Diese wissenschaftsfeindliche Delegitimierung unserer Forschung erfolgt nicht isoliert, sondern geht Hand in Hand mit Diffamierungen von anderen kritischen Wissenschaftsfeldern, etwa den postkolonialen Studien oder der kritischen Migrationsforschung, mit denen wir uns hier ausdrücklich solidarisieren. Weiter fortgeschritten sind Bemühungen zur Unterdrückung von Gender-Forschung bereits in anderen europäischen Ländern wie Ungarn, und sie drohen auch in Österreich. Der Horizont, auf den solche Angriffe zulaufen, zeichnet sich aktuell auch in dem Verbot von Begriffen, insbesondere mit Bezug auf LGBTIQ, im Wissenschaftsbetrieb und in medizinischer Forschung in den USA ab. Der laufende Wahlkampf in Deutschland, in dem polemische und menschenrechtsverletzende Positionen mittlerweile miteinander konkurrieren, ist als Symptom einer autoritären Wende zu betrachten, die nicht losgelöst von einem internationalen populistischen „Kulturkampf“ zu verstehen ist. Kritische Formen der Wissensproduktion, wie sie u. a. die Gender Studies entwickeln, werden dabei als Ideologie verunglimpft, weil sie eben tun, was ihre Aufgabe ist: Kritik üben. Sie befragen die Grundlagen der Begriffe und Konzepte, die in dieser Dynamik mobilisiert werden. Diese Kritik hat in den letzten Jahrzehnten entscheidend daran mitgewirkt, dass diskriminierende Ausschlüsse und Gewaltverhältnisse – z.B. gegenüber Frauen, BIPoC, LGBTIQ, Menschen mit Behinderung – als solche benannt und problematisiert wurden. Als kritische Wissenschaftler*innen ist es unsere Arbeit, die Grundlagen und gewaltvollen Effekte patriarchaler und ethno-nationalistischer Forderungen, wie sie aktuell im Aufwind sind, als das zu benennen, was sie sind: misogyn, rassistisch, ableistisch, trans- und queerfeindlich. Wer sich demgegenüber auf Neutralität beruft und fordert, Wissenschaft solle an dieser Stelle ‚unpolitisch‘ sein, fordert eine unkritische Wissenschaft, die sich in ihrer Nicht-Positionierung implizit für die Fortsetzung struktureller Gewalt und Diskriminierung einsetzt. Auch das ist und wirkt politisch.

Die Angriffe auf Gender Studies sind im aktuellen Wahlkampf nicht der einzige Grund für Besorgnis und Kritik aus der Perspektive kritischer, engagierter Wissenschaft, denn sie stehen im Zusammenhang mit weiteren problematischen Forderungen: Die aktuell diskutierten verfassungsfeindlichen Migrationspolitiken, die Einschränkung geschlechtlicher Selbstbestimmung sowie medizinischer Grundversorgung für TIN (trans, inter, nicht-binäre) Personen und die generelle Infragestellung und Rücknahme von Diskriminierungs- und Minderheitenschutz stellen Grundsätze des gesellschaftlichen Zusammenlebens, der Teilhabe und der Menschenrechte in Frage. Sie gehen damit weit über die juristische Institution der Wissenschaftsfreiheit hinaus. Diese ist es jedoch, die es uns erlaubt, solche Entwicklungen und Vorhaben zu analysieren und problematisieren.

Wissenschaftsfreiheit bedeutet nicht die fundamentale Trennung von Wissensproduktion und Politik, denn jedes Sprechen und Schreiben ist situiert, sondern den Einsatz für unabhängige, kritische Perspektiven und die Ermöglichung von Zugängen zur Wissenschaft. Wir verurteilen die Angriffe auf Teilhabe von Minderheiten und Antidiskriminierungs- und Selbstbestimmungsrechte im aktuellen Wahlkampf und die Bedrohung der Wissenschaft – gegenüber einzelnen Forschenden wie auch ganzen Disziplinen. Wir rufen, gerade mit Blick auf die drohende (weitere) Einschränkung der Wissenschaftsfreiheit und ansteigende Wissenschaftsfeindlichkeit dazu auf, nicht allein gegen den Verlust eines imperfekten Status quo, sondern für eine emanzipative Ausweitung dieser Freiheit zu arbeiten – denn Wissenschaftsfreiheit galt nie für alle gleichermaßen – und sich klar gegen die geschilderten Angriffe und Entwicklungen zu positionieren.

CfP: 30. Jahrestagung der GfM 2025 *MACHT* ist online!

Die GfM-Jahrestagung in Paderborn möchte im nächsten Jahr die *MACHT*frage stellen! Wie sind Macht und Medien verwoben? Welchen Mächten sind wir aktuell, in Zeiten multipler Krisen, besonders ausgesetzt? Wie können wir Ohnmachtsgefühlen begegnen, wie uns selbst ermächtigen, wie machtvolle Bündnisse bilden? Wie spaltet Macht und wie kann sie vereinen? Wie können wir durch Medien und Kommunikation Machtverschiebungen, die menschenverachtende Ideologien gesellschaftsfähig machen wollen, verhindern? Wie kann (Medien)Wissen(schaft) dazu beitragen? Wie hängen Macht und Machen zusammen?

AGen, Kommissionen und Foren innerhalb der GfM registrieren ihren Bedarf für ein Treffen im Rahmen der Konferenz bitte ebenfalls im ConfTool.

Hinweis: Im Idealfall sollten Mehrfacheinreichungen einer Person vermieden werden. Das heißt: Jede Person sollte nur an einem eingereichten Format aktiv/zentral beteiligt sein (z.B. als Vortragende). Zusätzliche Moderationen oder kürzere Beiträge im Rahmen größerer Podien sind davon ausgenommen. Transparenzhinweis: Sollten aufgrund zu vieler Einreichungen Ablehnungen von Panels und Vorträgen nötig sein, so kann es für die Annahme oder Ablehnung des Beitrags ein Kriterium sein, ob die Person an mehreren Formaten zentral beteiligt ist.

Vortragende sollten Mitglied der GfM sein. Eine Mitgliedschaft kann hier beantragt werden: https://gfmedienwissenschaft.de/mitgliedschaft."

Weitere Infos: https://blogs.uni-paderborn.de/gfm2025/

Einreichungen sind ab dem 15.01.2025 über ConfTool möglich unter conftool.pro/gfm2025.

EINREICHUNGS-DEADLINE: 31.03.2025
ANNAHMEBESCHEID: 31.05.2025
TAGUNGSDATEN: 16.09.-19.09.2025

Kontakt:
gfm2025@upb.de

Organisation der Tagung             
Universität Paderborn
Fakultät für Kulturwissenschaften
Institut für Medienwissenschaften
Warburger Str. 100
33098 Paderborn